Zwischen den Jahren: Ein Moment der Besinnung und der Hoffnung
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
zunächst noch einmal Danke für Ihre „JA“ – Stimme für den Wald beim Bürgerentscheid am 14.12.25! Vor dem Hintergrund der massiven Ungleichheit der Kräfte zwischen Stadt und der Bürgerinitiative haben wir aus unserer Sicht gemeinsam ein respektables Ergebnis erreicht.
Die vergangenen Monate, Wochen und Tage der Bürgerinitiative „Kein Windrad im Wald“ mit dem Ziel, den Baus von 4 Windrädern im Städtischen Wald des „Potentialgebiets Süd“ zu verhindern waren für unsere Bürgerinitiative sehr bewegend und in mancher Hinsicht eine sehr große Herausforderung mit unheimlich hohem Einsatz der engagierten Mitstreitern.
Daher wollen wir uns an dieser Stelle auch bei diesen Menschen ganz herzlich bedanken.
Wir hatten uns in diesem Jahr im Interesse vieler Bürger/innen für den Erhalts des Waldes eingesetzt und hatten Sie über viele Aktionen, Stände und Vorträge zum Thema Windkraft im Allgemeinen und im Besonderen in unserer windarmen Region informiert.
Nun ist es so, dass beim erreichten, demokratischen Bürgerentscheid (erstmalig in Bruchsal) die Mehrheit der Bruchsaler Bürger - überwiegend aus Gründen der versprochenen Pachteinnahmen - für diese Windräder im Wald gestimmt haben. Diese Geldeinnahmen wurden seitens der regionalen Presse, der Stadtverwaltung Bruchsal und vieler anderer stets als dringend notwendig propagiert. Nach dem Motto: „Mensch Tier und Natur muss dies aushalten und die Ökonomie steht über der Ökologie!“
Schade, dass der Wald im Moment zunächst „verloren“ hat. Das erreichte Bürgerbegehren und der daraus resultierende Bürgerentscheid haben trotz allem gezeigt, dass für viele Bürger der Wald aus verschiedenen Gründen wichtiger ist als ungewisse, mögliche Einnahmen. Das sollte seitens der Stadtverwaltung bei zukünftigen Entscheidungen möglichst berücksichtigt werden.
Seit Gründung der Bürgerinitiative „Kein Windrad im Wald“ wurde seitens der regionalen Presse oft ein Bild dieser Initiative gezeichnet, das wir in dieser Form auf das Entschiedenste zurückweisen.
Man hat unseren berechtigten Einspruch gegen die Windräder im Wald in „politische und gesellschaftliche Schubladen“ gesteckt, obwohl wir auf Flyern, unserem Internetauftritt und in Veranstaltungen überall und zu jeder Zeit mitgeteilt hatten, dass wir keiner Partei angehören und damit vollkommen parteiungebunden sind. Wir erhalten auch keinerlei Gelder von irgendwelchen Parteien.
Die Unterstellung in einem Kommentar einer Journalistin der BNN am 15.12.25 hier seien „Rechte“ oder „Klimaleugner“ am Werk, geht also völlig an der Wirklichkeit vorbei.
Das gleiche gilt für die von Ihr genannten „Untergangszenarien“ und Verbreitung von „pseudo-wissenschaftlichen Argumenten“. Das hier auch unterstellte bewusste Verbreiten von Falschinformationen und Einladen von fragwürdigen Vortragspartnern aus der rechtsgerichteten Klimaleugner-Ecke stimmt ebenso nicht und entbehrt allem, was guten und vor allen Dingen neutralen Journalismus ausmacht.
Dieser Kommentar stellt bewusst nicht nur die Bürgerinitiative "Kein Windrad im Wald" und deren Mitwirkende in ein falsches und zweifelhaftes Licht, sondern auch die Wähler/ innen, die mit "JA" und damit für den Wald gestimmt haben. So etwas kann die Gesellschaft spalten und verärgert viele Mitmenschen!
Seriöser Journalismus hätte auch Argumente zu Fakten einer Stadt in Frage gestellt, die aktuell deutschlandweit für Debatten sorgen und unsere Gesellschaft spalten.
Es macht uns fassungslos, dass Argumente, die in Bruchsal-Nord bei WE 602 zur Ablehnung von Windrädern führten – wegen einer sogenannten Sichtachse zum Bruchsaler Schloss – die Sichtachse zur Burg und zum Schloss Obergrombach hier in Bruchsal-Süd plötzlich nicht mehr zählen. Hier kommt noch zusätzlich der Schutz eines wertvollen Mischwaldes hinzu.
Wie fragwürdig solche Bewertungen oft sind, zeigt auch das Beispiel Heidelberg:
Dort wurden Waldflächen als „geeignet“ ausgewiesen, während direkt angrenzende Hänge desselben Waldes als „hochwertig“ geschützt gelten. Solche Widersprüche zeigen: Wo wirtschaftliche Interessen dominieren, wird die Natur passend gerechnet, bzw. außer Acht gelassen. Schade ist auch, dass Ortschaften wie vor allen Dingen Bruchsal und Büchenau sich so wenig für den Wald ausgesprochen hatten. War vielleicht folgendes der Grund: „Die geplanten Windräder sind weit weg von uns und wir stimmen eher für das Geld, das über die Pachteinnahmen des Waldes kommt.“ Die Ortschaften Helmsheim und Obergrombach wie auch Heidelsheim hatten damals ihren Wald bei der Eingemeindung der Stadt geschenkt.
Wir müssen uns ehrlich fragen, welche Opfer wir bereit sind zu bringen.
Hier werden große Summen an Steuergeldern bewegt. Natürlich ist uns klar, dass Investitionen nötig sind, um „grünen Strom“ zu produzieren. Doch diese Investitionen müssen sinnvoll sein. Es kann nicht sein, dass wir unsere Natur und den Lebensraum von Mensch und Tier opfern für Projekte, die sich am Ende nicht rechnen. Es ist unser aller Geld, das hier maximal „umgedreht“ wird.
Ein technisch, wirtschaftlich sinnvoller Energiemix ist an dieser Stelle gefragt, der bezahlbar ist und unsere Industrie nicht noch weiter dazu zwingt, insolvent zu werden oder ihre Produktionsstätten mit den daraus resultierenden negativen Sozialfolgen in Länder mit geringeren Energiekosten zu verlagern. Wer weg ist, kommt in der Regel nicht wieder zurück.
Daraus resultiert auch ein enormer Knowhow-Verlust - das Einzige, was Deutschland bisher zu bieten hatte und uns in Europa und in der Welt in der Vergangenheit wirtschaftlich stark gemacht hat.
Es besteht nun die reale Chance, das gesamte Projekt zu überdenken.
Mit dem kurzfristigen Ausstieg des Windparkprojektierers - Energiequelle GmbH zum 12.12.25 wird klar, dass viele Fakten im Vorfeld von verschiedenen Parteien unzureichend geprüft wurden.
Es stellt sich damit die Frage, ob die dem Bürger bisher seitens der Stadt versprochene
1 Million Euro Einnahmen pro Jahr (beginnend nicht vor dem Betrieb in voraussichtlich 2031) für 4 Windräder im Städtischen Wald nun überhaupt noch realisiert werden können!
Der Oberbürgermeister sagte bereits öffentlich, dass er nicht an die Einnahme von 1 Million Euro gebunden sei. Lediglich, dass er aktuell bestrebt sei, einen Betreiber zu finden, der zu den gleichen Konditionen bereit ist, das geplante Projekt umzusetzen. Dass dies nicht unbedingt realistisch ist, würden Zahlen aus den in der Umsetzung befindlichen Windparks „Bruchsal Nord“ und „Bruchsal Ost“ zeigen – wenn man sie denn veröffentlichen würde!
Wichtig zu wissen:
In einer Zeit, in der die Themen Energiewende, Netzausbau, Strom-Speicherung, grundlastfähige Kraftwerke und Subventionen von Windrädern im windarmen Süd-Deutschland in der Politik gerade diskutiert werden, wäre es fatal, dieses Projekt übers Knie zu brechen. Siehe an dieser Stelle auch den 10-Punkte-Plan unserer Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Der Worst Case wäre:
Der Wald wird abgeholzt, die Zuwegungen und die Windräder sind gebaut, Stromnetz und Stromspeicherung sind immer noch unklar oder nicht finanzierbar und die Windräder stehen dann still. Kritisch zu sehen wäre hier auch das Thema Rückbau, wenn der Betreiber insolvent werden sollte, kein anderer dieses Thema zu seinen Lasten übernimmt und am Ende der Landbesitzer für den kompletten Rückbau verantwortlich ist. Beim Wald wäre es dann die Stadt Bruchsal. Die Frage stellt sich hier: Werden genügend gesicherte Rücklagen für den Rückbau hinterlegt, wie wird das finanziert und wie sieht das Thema Entsorgung von kritischen Materialien bis dahin aus?
Die Stadtverwaltung ist gut beraten, dieser Angelegenheit Zeit für richtige Entscheidungen zu geben, statt unsere Natur in naher Zukunft unwiederbringlich zu zerstören.
Mit den beiden, seitens der Stadt Bruchsal bereits verabschiedenden Windparks „Ost“ und „Nord“ erfüllen wir die 1,8 % der bis 2032 auszuweisenden Nutzungsflächen für Windkraftanlagen möglicherweise bereits schon?
Bis Ende 2027 sind in Baden-Württemberg übrigens nur 1,1% (bis Ende 2032 1,8%) auszuweisen und wir sprechen hier nicht von fertig gebauten und in Betrieb genommenen Windkraftanlagen, sondern lediglich über ein verbindliches Ausweisen solcher Gebiete durch die Gemeinden!
Und daher ist die Frage, ob Bruchsal überhaupt einen weiteren Windpark mit den damit verbundenen Risiken benötigt und wenn ja, WOFÜR? Denn Geld für die Stadt kann mit Blick auf tatsächlich zu erwartende Einnahmen aus dem Projekt „Potentialgebiet Süd“ bis zu den oben genannten Zeiträumen wohl keine Rolle mehr spielen.
In diesen Tagen der Einkehr kommen wir nun auch als Bürgerinitiative etwas zur Ruhe, um Kraft zu tanken. Wir bleiben für Sie wachsam.
Die Windräder stehen noch nicht!
Wie es weiter geht, können wir jedoch nur mitbestimmen und akzeptieren, wenn wir als Bürger komplett und zeitnah seitens der Stadt Bruchsal und die Ortschaftsräte informiert werden, was die Stadt weiter plant und realisieren möchte, bevor wir wieder einmal vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
Abschließend noch zum letzten BNN-Bericht vom 23.12.2025
„Bruchsal für kleinere Wind-Vorrangflächen“
Achtung:
Nicht das Potentialgebiet Süd mit den bisher 4 geplanten Windrädern soll verkleinert werden!
Dieses bleibt, wie dies das Stadtplanungsamt in den letzten öffentlichen Veranstaltungen sowie im Stadtportal (Internet) gezeigt wurde. Der Regionalverband bleibt aktuell bis auf weiteres beim ganzen, bisher definierten Vorranggebiet bis zur Helmsheimer Straße. Dies tritt lt. der letzten Sitzung vom 15.12.2025 so in Kraft und ist zunächst verbindlich.
Es ist lediglich so, dass die Stadtverwaltung Bruchsal dieses große Vorranggebiet auf das seitens der Stadt Bruchsal aktuell definierte „Potentialgebiet Süd“ in Abstimmung mit dem Gemeinderat begrenzen möchte. Hier wird vermutlich seitens des OB Einspruch gegen das größere Vorranggebiet erhoben, damit dort nicht noch weitere Windräder platziert werden können. Ob der Regionalverband Mittlerer Oberrhein (neu: Verband Region Karlsruhe) diesem Einspruch stattgeben wird, ist fraglich.
Das heißt, wenn dieses Vorranggebiet in seiner bisherigen Größe bleiben sollte, könnten dort theoretisch weitere/ zusätzliche Windräder gebaut werden!
Leider wurde das seitens der BNN so nicht eindeutig geschrieben und suggeriert dem Bürger, dass das, worüber er im Bürgerentscheid abgestimmt hat, sich zukünftig möglichweise noch verkleinern könnte. Dies ist so definitiv nicht richtig! Der Kurier hat in seiner Ausgabe vom 24.12.25 diesen Sachverhalt inklusive Karte richtig dargestellt.
Wir danken allen für Ihr Vertrauen, Ihre Unterstützung sowie für Ihr Mitwirken in dieser wichtigen Angelegenheit und wünschen Ihnen und Ihren Lieben einen guten Übergang ins Jahr 2026 mit vor allen Dingen Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Bleiben Sie mit stets „geschärftem Blick“ bezüglich aller Themen zuversichtlich und werden Sie mit den Möglichkeiten, die Sie haben aktiv, um gemeinsam etwas zu erreichen. Aktiv werden heißt auch, sich breit zu informieren und entsprechend zu kommunizieren.
Ihre Bürgerinitiative „Kein Windrad im Wald"